Das Judentum aus der Sicht der Gnostik

Geminis Modell geht davon aus, dass die jüdische Messiaserwartung grundsätzlich auf die Wiederherstellung einer göttlichen Ordnung auf Erden gerichtet ist. Der Messias beendet in diesem Modell nicht die geschaffene Welt, sondern stellt die von YHWH vorgesehene Ordnung wieder her. Gesetz, Gerechtigkeit und die Herrschaft Gottes sollen damit ihre ursprüngliche Stellung zurückerhalten.

In der hier verwendeten gnostischen Systematik entspricht YHWH dem Saturn-Prinzip. Saturn steht für Gesetz, Grenze, ursprüngliche Ordnung und die feste Struktur der geschaffenen Welt. Das Erscheinen des Messias kann innerhalb dieses Modells deshalb als Wiederherstellung dieser saturnischen Ordnung verstanden werden.

Der Messias wäre darin der irdische Vollstrecker dieses Prinzips. Seine Aufgabe bestünde darin, die Herrschaft YHWHs wieder sichtbar auf Erden durchzusetzen und die Welt erneut nach dessen Ordnung auszurichten. Das Ziel wäre daher nicht die Überwindung des bestehenden Kosmos, sondern seine Rückführung in die richtige Ordnung.

Eine vollständige Wiederherstellung der saturnischen Ordnung würde deshalb zugleich bedeuten, dass die bestehende jupiterische Ordnung ihre Vorrangstellung verliert. Das Neue wäre in diesem Modell paradoxerweise keine neue Welt, sondern die Rückkehr zur ursprünglichen Ordnung.

Aus gnostischer Sicht bleibt allerdings auch diese wiederhergestellte Ordnung Bestandteil der geschaffenen Welt. Der jüdische Messias würde die Welt in diesem Modell vollkommen nach YHWHs Gesetz ordnen; der gnostische Christus weist dagegen auf eine Wirklichkeit jenseits dieser kosmischen Ordnung.

Der Grundgedanke lautet damit:

YHWH/Saturn → Ankunft des Messias → Wiederherstellung der YHWH-Ordnung auf Erden.

Die bestehende Weltordnung soll nicht weiterentwickelt werden. Sie soll durch die als ursprünglich und göttlich verstandene Ordnung zurückgeführt werden.