Mediale Heiler und deren Nebenwirkungen
Immer wieder berichten Menschen von Begegnungen mit medial begabten Heilern oder Heilerinnen, denen außergewöhnliche Fähigkeiten zugeschrieben werden. Dabei stellt sich jedoch eine grundlegende Frage: Falls solche Fähigkeiten tatsächlich existieren sollten – welchen Kräften dienen sie, und welcher Ursprung liegt ihnen zugrunde?
Ein aufschlussreiches Beispiel schildert Michelle Hunziker in ihrem Buch Ein scheinbar perfektes Leben – Wie ich aus Liebe zu meiner Tochter den Fängen der Sekte entkam (Lübbe Verlag, 2018). Darin beschreibt sie, wie sie aufgrund persönlicher Unsicherheiten zunächst den Rat einer medial begabten Frau suchte. Diese entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer zentralen Bezugsperson ihres Lebens. Nach Hunzikers Darstellung verfügte die Frau über bemerkenswerte Fähigkeiten, unter anderem in Form von Vorhersagen zukünftiger Ereignisse sowie heilender Einwirkungen.
Der Preis dafür war jedoch hoch. Aus einer zunächst hilfreichen Beziehung entwickelte sich nach Hunzikers Schilderung eine zunehmende emotionale und geistige Abhängigkeit, die schließlich in die Einbindung in sektenartige Strukturen mündete. Dort spielten Vorstellungen von „Auserwählten“, Reinkarnationen sowie angeblichen Botschaften Jesu Christi eine zentrale Rolle.
Auffällig ist, dass sich auch heute zahlreiche mediale Heiler darauf berufen, mit Jesus, Gott, Erzengeln oder sogenannten Geistführern in Verbindung zu stehen. Nahezu alle beanspruchen, auf diesem Weg besondere Erkenntnisse zu empfangen.
Ein einfacher Gedankentest verdeutlicht jedoch ein mögliches Problem. Würde man verschiedene Medien unabhängig voneinander dieselbe konkrete historische Frage stellen – etwa, ob Jesus mit Maria Magdalena verheiratet gewesen sei oder ob beide gemeinsame Kinder gehabt hätten –, so fielen die Antworten erfahrungsgemäß sehr unterschiedlich aus. Da sich widersprüchliche Aussagen nicht gleichzeitig als richtig erweisen können, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Herkunft dieser Botschaften.
Bemerkenswert ist dabei, dass die empfangenen Antworten häufig mit den bereits vorhandenen religiösen oder weltanschaulichen Vorstellungen der jeweiligen Medien übereinstimmen. Dies lässt zumindest die Möglichkeit zu, dass nicht objektive Wahrheit vermittelt wird, sondern Botschaften, welche den Erwartungen, Überzeugungen oder der Persönlichkeit des jeweiligen Empfängers entsprechen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die grundsätzliche Frage, ob mediale Erfahrungen tatsächlich von denjenigen geistigen Wesen stammen, als die sie sich ausgeben. Die in diesem Buch vertretene Deutung geht vielmehr davon aus, dass hinter solchen Phänomenen auch andere geistige Kräfte stehen könnten, die sich unter unterschiedlichen Namen – etwa Jesus, Gottvater, Erzengel Michael oder verschiedenen Geistführern – zu erkennen geben.
Hinzu kommt, dass in vielen modernen Heilmethoden Visualisierungen von Pyramiden, kosmischen Energien, planetarischen Verbindungen oder ähnlichen Symbolsystemen eine bedeutende Rolle spielen. Aus Sicht des Verfassers weisen diese Elemente eher auf Vorstellungen hin, die an antike Mysterien- und Götterkulte erinnern, als auf die ursprüngliche christliche Lehre.
Anmerkung: somit möchte ich mich von der Empfehlung der medial begabten Person (u.a. in der Papierform meines Buches "Der fehlende Baustein" (Teil 1) auf der letzen Seite distanzieren und mich hierfür entschuldigen.
