Der Feminismus 

Entsprechend der zuvor entwickelten Unterscheidung zwischen Polarität und Dualität stellt sich auch die Frage nach dem Verhältnis von Mann und Frau neu. Versteht man beide als Polarität, so sind sie weder identisch noch Gegensätze im Sinne eines Dualismus. Sie ergänzen sich vielmehr in ihren unterschiedlichen Eigenschaften und Fähigkeiten. Gleichwertigkeit bedeutet in diesem Verständnis gerade nicht Gleichförmigkeit.

Nach Auffassung vieler Vertreterinnen und Vertreter des modernen Feminismus wird Gleichberechtigung jedoch häufig mit Angleichung verwechselt. Der Maßstab weiblicher Emanzipation scheint dann darin zu bestehen, jene Rollen, Verhaltensweisen oder gesellschaftlichen Positionen zu übernehmen, die zuvor überwiegend Männern zugeschrieben wurden. Erfolg wird nicht selten daran gemessen, in denselben Bereichen dieselben Leistungen zu erbringen oder dieselben Formen von Konkurrenz, Macht oder Dominanz auszuüben.

Die Frage ist jedoch, ob hierin tatsächlich Emanzipation liegt oder lediglich die Übernahme eines bereits bestehenden, männlich geprägten Werte- und Handlungssystems. Wenn Gleichberechtigung bedeutet, dass Frauen dieselben Irrwege beschreiten sollen wie Männer, dann wird nicht das System überwunden, sondern lediglich dessen Teilnehmerkreis erweitert. Aus einer Philosophie der Polarität heraus erscheint dies widersprüchlich: Die Ergänzung des Männlichen besteht nicht darin, es zu kopieren, sondern ihm jene Qualitäten gegenüberzustellen, die ihm fehlen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die häufig zitierte Prophezeiung des Johannes von Jerusalem eine andere Bedeutung – unabhängig davon, ob man ihr historischen oder prophetischen Charakter beimisst. Sie beschreibt den Aufstieg des Weiblichen nicht als Triumph über das Männliche, sondern als Beginn einer Epoche, in der Fürsorge, Gerechtigkeit, Schönheit, Wahrheit, Maß und Leben wieder größere Bedeutung erlangen. Das Weibliche erscheint hier nicht als Kopie des Männlichen, sondern als dessen notwendige Ergänzung.


Wenn das Jahrtausend, das nach dem Jahrtausend kommt, zu Ende geht

Wird der Mann nicht mehr der einzige Herr sein, denn die Frau wird kommen, um das Zepter zu ergreifen

Sie wird die große Herrin zukünftiger Zeiten sein Und was sie denkt, wird sie den Männern aufzwingen

Sie wird die Mutter des Jahrtausends sein, das nach dem Jahrtausend kommt.

Sie wird die milde Süße einer Mutter verströmen nach den Tagen des Teufels

Sie wird die Schönheit sein

nach den hässlichen Zeiten der Barbarei

Das Jahrtausend, das nach dem Jahrtausend kommt wird sich in eine leichte Zeit verwandeln

Es wird geliebt und geteilt und geträumt, und Träume werden wahr gemacht werden.

Johannes von Jerusalem, Vers Nr. 35


Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob bestimmte gegenwärtige Ausprägungen des Feminismus diese Entwicklung bereits verkörpern oder ob sie lediglich eine andere Erscheinungsform desselben Wettbewerbs um Macht, Status und Dominanz darstellen, der das gegenwärtige Zeitalter ohnehin prägt.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Frauen alles ebenso tun können wie Männer. Sie lautet vielmehr, ob Gleichberechtigung dadurch verwirklicht wird, dass Frauen ein männlich geprägtes Rollenverständnis übernehmen, oder ob sie gerade darin besteht, die eigenen, komplementären Stärken zur Geltung zu bringen. Aus der Perspektive der Polarität wäre Letzteres der eigentliche Ausdruck von Gleichwertigkeit.

 

Literaturtipp: Artikel aus Spiegel Sport vom 25.06.2025 Schweizer Frauen-Nationalteam verliert 1:7 gegen U15-Jungsmannschaft

Die Schweizer Fußballerinnen haben bei einem Testspiel vor der am 2. Juli beginnenden Heim-Europameisterschaft eine 1:7-Niederlage gegen eine U15-Jungsmannschaft des FC Luzern kassiert . Das einzige Tor für die Schweizerinnen schoss Alayah Pilgrim.